Aperitivo italiano
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Aperitivo italiano – italienisches Ritual für Genießer

Der Aperitivo italiano ist das Sinnbild für italienischen Genuss. Kein Wunder – immerhin gilt Italien als DAS Mutterland des Aperitivo. Mehr über die Geschichte des Aperitivo, die Aperitivo-Kultur in Italien und seine Getränke selbst kannst du in dieser Podcastfolge hören:

#52 Cin cin – alles über die italienische Aperitivo-Kultur

Das Ritual des Aperitivo ist in Italien so gut wie heilig und mittlerweile fester Bestandteil des täglichen Lebens. Vor allem in Norditalien ist die Aperitivo-Kultur praktisch an jeder Ecke spürbar, in Süditalien und auf den Inseln ist sie dagegen etwas weniger präsent.

Italien und der Aperitivo

Die Tradition des Aperitivo wird in Italien regelrecht zelebriert. So verwundert es kaum, dass ItalienerInnen wahre Aperitivo-Weltmeister sind! Aber ein Aperitivo ist in Italien weit mehr als nur ein Getränk. Wenn man so will, dann ist der Aperitivo quasi das Entspannungsritual nach einem stressigen Tag, das zusammen mit Freunden in der Bar, Kneipe oder z.B. auf einer italienischen Piazza gefeiert wird. Gemeinsam lässt man den Tag (am besten in der warmen, untergehenden Abendsonne) bei einem Aperitivo ausklingen und stimmt sich auf den Abend ein.

Ein Aperitivo am Strand ist wirklich High Life

Der Aperitivo ist der Auftakt zu einem schönen Abend. Vor allem an warmen Sommerabenden geht nichts über eisgekühlte, erfrischende Aperitivi italiani.

Was versteht man unter einem Aperitivo italiano?

Bei einem Aperitivo handelt es sich in der Regel um ein alkoholisches Getränk, das vor dem Abendessen konsumiert wird. Dabei kann ein Aperitivo in den Regionen Italiens ganz unterschiedlich aussehen, auch kreiert jede Bar ihre eigenen Kreationen. Ein Aperitivo gehört – egal ob am Wochenende oder unter der Woche – zum guten Ton und als Einleitung eines guten Essens einfach mit dazu.

Übrigens gilt in Italien fast jeder Likör als Aperitivo, wenn er mit Eiswürfeln, Soda und einer Scheibe Zitrone serviert wird. Ein Aperitivo italiano muss jedoch nicht zwangsläufig mit Alkohol verbunden sein. In Italien gibt es zahlreiche antialkoholische Getränke, die eigens für den Aperitivo-Abend geschaffen wurden. Wichtiger noch als der Inhalt ist aber, dass der Aperitivo schön serviert wird – am besten mit Eiswürfeln und Zitronenscheiben.

Hier zu sehen: ein alkohoholischer und ein antialkoholischer Aperitivo italiano

Die italienische Aperitivo-Linie hat oft einen eher bitteren Geschmack. Aber keine Angst, die bittere Geschmacksnote lernt man mit der Zeit durchaus zu lieben – versprochen!

Was ist die Funktion eines Aperitivo?

Ein Aperitivo soll den Appetit anregen und auf ein reichhaltiges Abendessen vorbereiten. Daher öffnet der Aperitivo wortwörtlich (das lateinische Wort „aperire“ bedeutet „öffnen“) den Magen. Die Bedeutung des Wortes Aperitif als „alkoholhaltiges Getränk“, so wie wir es heutzutage kennen, wurde erst im 19. Jahrhundert in der französischen Sprache geboren.

Der Aperitivo als Vorstufe zum Abendessen

Eines ist der Aperitivo italiano sicher immer: lautstark! Damit übernimmt der Aperitif gleichzeitig auch eine soziale Funktion. Denn schließlich überbrückt ein Aperitivo immer die Wartezeit bis zum Abendessen und verkürzt die Zeit, bis endlich alle geladenen Gäste gemeinsam am Tisch sitzen.

Aperitivo-Häppchen und Apericena

Für wahre Aperitivo-Liebhaber und -Liebhaberinnen darf beim Aperitivo eines nicht fehlen: kleine Häppchen und Snacks. Dazu gehören z.B. kleine Bruschette, Focaccia-Stücke, Chips, Oliven, Taralli, Grissini, Nüsse oder diverse Käse- und Schinkendelikatessen, die nebenher zum Getränk genascht werden. Allein diese Häppchen und Snacks machen den Aperitivo immer zu einem sehr leckeren Vergnügen!

Traditionell begleiten kleine Häppchen und Snacks den italienischen Aperitivo.

Seit der Mitte der 1990er Jahre hat sich der klassische Aperitivo zu einem sogenannten „Apericena„, also einem Aperitivo mit Buffet, weiterentwickelt. Diese Verbindung von Aperitivo und Cena (das italienische Wort für Abendessen) ist vor allem in Norditalien weit verbreitet. In der Regel zahlt man beim Apericena einen festen Preis für den ersten Drink und kann dann unbegrenzt italienische Köstlichkeiten schlemmen. Apericena ist quasi ein Abendessen-Ersatz zu einem relativ günstigen Preis. Neben klassischen Appetit-Häppchen gibt es hier z.B. auch Reis- und Pastagerichte oder diverse Gemüsetorten.

Die Geschichte des Aperitivo italiano

Der Aperitivo ist heute fest in der italienischen Kultur verankert. In den meisten Teilen Norditaliens gehört der Aperitivo zum Ausklang des Abends mittlerweile einfach dazu. Vor allem die Metropole Mailand wetteifert seit jeher mit Turin um den ersten Platz. Dabei wurde der Aperitivo, so wie wir ihn heute kennen, einst in Turin geboren.

Carpano Vermouth

1786 wurde in Turin in einem kleinen Likör- und Weingeschäft der „Carpano Vermouth“ erfunden. Als sein Schöpfer gilt der italienische Destillateur Antonio Benedetto Carpano. Der rote, süße Weinlikör ist mit mehr als 30 Kräutern angereichert und war einst in der Turiner Aristokratie – genau wie am Königspalast – sehr beliebt. 1978 schaffte „Carpano Vermouth“ seinen internationalen Durchbruch. Bis heute wird der bitter-süße Vermouth nicht nur innerhalb Italiens, sondern weltweit als Aperitivo serviert. Auch ist er ein wichtiger Bestandteil vieler Cocktails.

Ramazzotti

1815 entwickelte der Apotheker Ausano Ramazzotti den ersten Aperitivo, der nicht auf Wein basierte. Der Kräuterlikör enthält über 30 Kräuter und Wurzeln, unter anderem sizilianische Süßorangen.

Martini

Nach Ramazzotti brachten Martini & Rossi mit der Marke „Martini“ eine andere Art von Aperitivo auf den Markt. Der Produktionsstandort von Martini, der kleine ländliche Ort Pessione im Piemont, gilt noch heute als wahres Mekka für Martini-KennerInnen.

Ein echt italienischer Aperitivo am Abend spricht alle Sinne an!

Schon in der Vergangenheit war eine Sorte besonders beliebt: der „Martini Bianco“. Wegen der enthaltenen Vanilleblüten wird der Martini Bianco auch „Bianchissimo“ (Deutsch: der Allerweißeste) genannt. Als Tipp: unbedingt gegrillte Artischocken zum nächsten Martini probieren. Göttlich!

Alkoholhaltige Aperitivi

In Italien gibt es – neben den genannten Aperitivi – natürlich auch eine Vielzahl von anderen alkoholhaltigen Aperitivi, wie z.B. Wein, Prosecco, Bellini, Campari, Averna, Negroni, Cynar oder Aperol, um nur einige zu nennen.

Limoncello Spritz besteht aus dem italienischen Zitronenlikör Limoncello und Prosecco.

Tipp für einen alkoholhaltigen Aperitivo im Sommer: unbedingt einen fruchtig, frischen Limoncello Spritz probieren!

Campari

Der Bitterlikör ist berühmt für seine auffallend rote Farbe und seinen unverwechselbaren Geschmack. Campari wurde 1860 in Mailand erfunden; als sein Erfinder gilt Gaspare Campari. Der Campari wurde einst aus über 60 geheim gehaltenen Ingredienzien kreierte. Einige bekannte Inhaltsstoffe sind z.B. Chinin, Orangenschalen, Rhabarber, Ginseng, Granatapfel oder Zitrusöl.

Campari kann ganz verschieden zubereitet werden. Mögliche Variationen sind z.B. Campari Soda, Negroni, Americano oder Campari Spritz (mit Prosecco) – der Mailänder Klassiker schlechthin.

Hier zu sehen: Campari Spritz

Wenn man wissen will, wie italienischer Aperitivo schmecken muss, dann sollte man unbedingt einen Abstecher in die Bar Camparino von Gaspare Campari in der Galleria Vittorio Emanuele II. machen. Schon seit 1867 gehört die Bar im Herzen der Stadt zu den Top-Adressen in Mailand. Tipp: unbedingt reservieren!

Eine Empfehlung für den nächsten Mailandurlaub stellt auch die Galleria Campari in Sesto San Giovanni, nördlich von Mailand, dar. Wie der Name schon verrät, dreht sich hier alles um die Marke Campari selbst.

Averna

Averna ist ein sizilianischer Bitterlikör. Sein Rezept wurde ursprünglich gemeinsam mit einem sizilianischen Mönch entwickelt. Dieses Rezept wird bis heute so stark gehütet, sodass nicht einmal die engsten Familienmitglieder über die gesamte Zutatenliste Bescheid wissen.

Averna schmeckt als Aperitivo mit einem Spritzer Zitrone und Eis besonders gut.

Cynar

Der Bitterlikör Cynar ist ein etwas exotischerer Aperitivo italiano. Cynar trägt unter anderem die Bitter- und Aromastoffe der Artischocke in sich und wird oft mit Eis und Zitrone oder gemischt mit Orangensaft serviert.

Negroni

Negroni ist ein wahrer Klassiker in Italien und schmeckt warm wie kalt. Der nach dem Grafen Camillo Negroni benannte Aperitif wurde 1919/20 angeblich in Florenz in der Bar Casoni kreiert. Negroni besteht zu 1/3 aus Gin, 1/3 aus süßem, rotem Wermut und zu 1/3 aus Campari. Tipp: einen Negroni in der Bar Basso, der Grande Dame der Mailänder Aperitivo-Kultur, trinken.

Aperol

Das italienische Kultgetränk schlechthin bleibt der Aperol Spritz (mit Prosecco). Auch bei uns bewegt der orangefarbene Aperitif-Bitter Aperol die Massen. Das Rezept selbst wurde Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelt und seitdem nicht mehr verändert.

Aperol wurde 1919 durch die Gebrüder Barbieri speziell für die internationale Messe in Padua entwickelt. Den Aperol trinkt man heute gerne in verschiedenen Variationen, darunter z.B. Aperol Sour, Aperol Royal, Caipirol oder Italian Gipsy. Tipp in Mailand: die Rooftop Bar Terrazza Aperol! Hier lässt sich ein Aperol mit der besten Aussicht auf den Mailänder Dom genießen.

Alkoholfreie Aperitivi italiani

Für den italienischen Aperitivo-Abend wurde eigens auch alkoholfreie Aperitivi kreiert.

Crodino

Crodino ist wohl der berühmteste italienische Aperitivo. Er besteht aus über 30 erlesenen Kräutern und Fruchtextrakten und ist aus der italienischen Aperitivo-Kultur gar nicht mehr wegzudenken! Den Crodino gibt es in zwei verschiedenen Geschmacksrichtungen: das intensiv gelbe „Crodino biondo“ und das tiefrote „Crodino rosso„. Beide sorgen dank der süßen sowie bitteren Orangenfruchtstückchen für ein unglaubliches Geschmackserlebnis!

Crodino ist eine alkoholfreie Alternative für den nächsten Aperitivo-Abend.

Der Crodino stellt pur, gemischt mit Soda, Ginger Ale, Tonic Water oder auch einfach als erfrischender Spritz wirklich den perfekten Drink für jedermann dar.

Chinotto

Chinotto ist eine weitere alkoholfreie Aperitivo-Alternative. Der alkoholfreie Chinotto wird aus dem Saft der Chinotto-Orangen gewonnen und schmeckt ebenfalls bitter.

Weitere Tipps für den Aperitivo-Abend in Italien

Hier findest du ein paar Empfehlungen für den nächsten italienischen Aperitivo-Abend in Venedig, Bologna, Mailand, Neapel und Taormina. Selbstverständlich gibt es in den Städten neben diesen Vorschlägen zahlreiche weitere schöne Bars.

Venedig: Harris Bar

Eine Top-Empfehlung in Venedig ist die Harris Bar! Diese Bar westlich vom Markusplatz ist legendär und blickt auf eine lange Geschichte zurück. Sie ist vor allem für den Bellini berühmt, den Cocktail aus trockenem Prosecco und Pfirsich-Mark. Kein geringerer als Giuseppe Arrigo Cipriani, einer der Betreiber der Harris Bar, ist für diese geniale Kreation verantwortlich. Neben Orson Welles oder Truman Capote gehörte auch Peggy Guggenheim zu den Stammgästen der Harris Bar. Mehr über Peggy Guggenheim kannst du hier lesen.

Bologna: Bar Ruggine

Die Bar Ruggine im Herzen von Bologna überzeugt mit einem tollen Ambiente und leckeren Aperitivi italiani.

Mailand: Navigli

Der Hotspot in Mailand für Aperitivi sind sicherlich die Navigli. Dort hat man die Qual der Wahl – kann aber auch schlichtweg nicht daneben greifen. Hier kann man den Aperitivo kombinieren – mit einem Besuch in italienischen Buchgeschäften oder einem Spaziergang entlang am Wasser.

Neapel: Bar Partenope

Den perfekten Aperitivo mit Meeresbrise bekommt man in Neapel in der Bar Partenope am Lungomare, der Strandpromenade, serviert. Besser kann der Tag – mit Blick aufs Meer – nicht ausklingen.

Taormina: Wunderbar

Das Caffè Wunderbar ist die älteste Bar in Taormina, Sizilien. Eine wunderbare Aussicht auf die Küste erwartet BesucherInnen.

Was ist dein Lieblings-Aperitivo? Wir wünschen cin cin!

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Ein Kommentar

  • Annette

    Liebe Sara, liebe Alessandra,

    eine wunderbare Folge über Aperitivi italiani! Lebensgefühl, Wissen, Story und legendäre Bars- alles dabei. Macht bitte weiter so!

    Viele Grüße
    Annette

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