Die Thermen von Saturnia
Reisen

Die wilde Schönheit der Maremma

Kunststädte wie Florenz und Siena, weltberühmte Baudenkmäler wie der Schiefe Turm von Pisa und sanfte Hügellandschaften wie das Chianti – das ist die Toskana. Jedoch nicht nur. Denn an ihrem südlichsten Ende, der sogenannten Maremma, zeigt sich die Region umso mehr von ihrer wilden, naturbelassenen Seite: Thermalquellen entspringen mitten in der Landschaft, Rehe baden an Naturstränden, und Dörfer scheinen aus dem Stein zu wachsen.

Maremma Naturpark
Maremma Naturpark

Maremma: So wird der Landstrich ganz im Süden der Toskana genannt. Auch der nördlichste Teil der Nachbarregion Latium wird als „Maremma Laziale“ hinzugezählt. Wo andernorts die Toskana kultiviert und vornehm wirkt, bestimmt hier unberührte Natur das Bild. Die Maremma verfügt über weit mehr als 100 Kilometer abwechslungsreiche Küste, außerdem ausgedehnte Wälder, die typisch mediterrane Macchia, immerhin bis zu 1.700 Meter hohe Berge und noch einige Sumpfgebiete. „Noch“, weil die Maremma in früheren Zeiten großenteils nichts anderes war als Sumpf. Erst nach jahrhundetelangen Versuchen ist es gelungen, das Land so weit trocken zu legen, dass die von den Mücken übertragene Malaria besiegt werden konnte. Heute ist die Maremma eine beliebte Nahreiseregion für Italiener (allen voran Römer). Und eine ganze Reihe von Popstars, Schauspielern und Politikern hat sich hier ihre Sommervillen bauen lassen.

Wildlife im Naturpark

Ein Grund für die die heutige Attraktivität der Maremma sind die Strände. Einer der schönsten und längsten Sandstrände findet sich im Parco Naturale della Maremma, einem 10.000 Hektar großen Naturpark. Der Strand von Alberese erstreckt sich am Rande des Reservats über gut fünf Kilometer. Überhaupt ist der Parco Naturale eine Art „Best of“ der Maremma in Klein: ein wunderschöner Naturstrand, bewaldete Hügel, Ruinen von alten Wachtürmen und eine Fauna, bei deren Anblick man sich eher auf einer Safari in Afrika wähnt als im Toskana-Urlaub. Füchse, Wildschweine, Rehe sowie frei lebende Rinder und Pferde begegnen einem auf dem Weg zum Strand sowie bei Wanderungen durch den Park. Auch bei einem Bad im Meer werden die Wildtiere immer wieder gesichtet. Ebenso schöne, aber gänzlich andersartige Strände trifft man auf dem Monte Argentario an. Die bergige, nur durch drei schmale Landzungen mit dem Festland verbundene Halbinsel hat unzählige kleine, felsige Badebuchten zu bieten.

Strand auf dem Monte Argentario
Strand auf dem Monte Argentario

Natürliche Badewannen

Im Landesinneren liegt ein weiteres Naturwunder: die Thermen von Saturnia. Unterhalb des Dorfs Saturnia entspringt ein türkiser Thermalfluss, der sich ein paar Hundert Meter durch die Landschaft schlängelt und sich dann spektakulär in einem natürlichen Gebilde aus Wasserfällen und Becken ergießt. Das sieht nicht nur sensationell aus, sondern garantiert auch das ganze Jahr über Badevergnügen. Das Wasser beträgt sommers wie winters konstante 37 Grad, sodass sich bei jeder Witterung Einheimische und Touristen in den natürlichen, Badewannen-artigen Becken aalen. Zudem hat das Thermalwasser von Saturnia nachweislich gesundheitsfördernde Eigenschaften und wird sogar zu medizinischen Zwecken bei Hautproblemen, Arthrose, Knochen- und Muskelproblemen eingesetzt.

Städte aus Tuffstein

Nicht weit von den Thermen liegt die „area del tufo“, das Tuffsteingebiet. Hier sind im Mittelalter drei außergewöhnliche Dörfer entstanden. Denn Pitigliano, Sorano und Sovana stehen jeweils auf einem Sockel aus Tuffstein, aus welchem sie auch großenteils gebaut sind. Besonders bei Pitigliano ist die Symbiose aus dem steinernen Untergrund und den sich daraus erhebenden Häusern auf atemberaubende Weise realisiert. Betrachtet man das Dorf aus der Ferne, scheinen die Gebäude regelrecht aus dem Felssockel gewachsen zu sein. Ganz nebenbei sind Pitigliano, Sorano und Sovana nichts weniger als der Inbegriff des hübschen toskanischen Dorfes mit verschlungenen Gassen und malerischen Plätzen.

Tuffstein-Stadt Pitigliano
Tuffstein-Stadt Pitigliano

Etruskische Gräber und mystische Wege

Dass der weiche und leicht zu bearbeitende Tuffstein schon seit Jahrtausenden als Baumaterial genutzt wird, zeigt sich kurz außerhalb des Ortskerns von Sovana. Dort befindet sich eine über 2.500 Jahre alte etruskische Nekropole. Das antike Volk der Etrusker (das noch vor den Römern die Toskana besiedelte) schuf Pharaonen-würdige Grabkammern für seine Verstorbenen, welche üppig mit Waffen, Schmuck und Gebrauchsgegenständen ausgestattet und als komplette Totenstadt aus dem Tuffstein herausgemeißelt wurden. Nicht minder faszinierend sind die Canyon-artigen Wege, welche die Etrusker ebenfalls in den Tuffstein gruben. Bis heute kann man die sogenannten Vie Cave durchwandern und sich fragen, ob sie nur Verbindungswege oder mystische Kultstätten waren – ein Rätsel, das bis heute nicht gelöst wurde.

Ein Sumpf hinterm Badeort

Zu Füßen eines weiteren hübschen Orts, Castiglione della Pescaia, ist die Maremma noch in ihrer Urform zu bestaunen, nämlich als Sumpf! Die Diaccia Botrona, das letzte große Sumpfgebiet der heute urbaren Gegend, hat jeglichen Trockenlegungsversuchen getrotzt. Auf Wanderwegen zu Fuß oder auf Wasserwegen zu Boot lässt sich die Diaccia Botrona erkunden. Und wenn man schon einmal da ist, gönnt man sich am Sandstrand von Castiglione della Pescaia ein Bad im Meer – oder einen ausgedehnten Strandspaziergang.

Wandern durch Kastanienwälder

Wer dagegen „richtig“ wandern möchte, tut dies am besten auf der höchsten Erhebung der Maremma, dem 1.738 Meter hohen Monte Amiata. Statt wie in den Küstenorten auf Palmen trifft man hier wegen des kühleren Klimas auf dichte Kastanienwälder. Die Kastanie ist in den Dörfern an den Hängen des Bergs sogar die Frucht schlechthin. Nicht umsonst ist der Castagnaccio, ein Kastanienkuchen, eine typische Spezialität der Maremma. Für passionierte Wanderer führt ein Rundweg auf 29 Kilometern rund um den Gipfel des Monte Amiata, einen erloschenen Vulkankegel. Und im Winter vergnügen sich Skifahrer auf den Pisten des kleinen, aber feinen Wintersportgebiets.

Paradiesische, kleine Inseln

Nicht unerwähnt bleiben dürfen die der südtoskanischen Küste vorgelagerten Inseln. Neben Elba, der größten und mit Abstand bekanntesten Insel des Toskanischen Archipels, sind vor allem die kleinen Eilande Giglio und Giannutri sehenswert. Beide sind mit einer kurzen Fährfahrt ab Porto Santo Stefano (ein wunderschöner Hafenort auf dem Monte Argentario) zu erreichen. Und beide beeindrucken mit glasklarem, tiefblauem Wasser und einigen der schönsten Strände der ganzen Toskana. Auf Giannutri badet man sogar zwischen den Resten einer antiken römischen Villa.

Alle Sehenswürdigkeiten der Maremma, Toskana auf Maremma Geheimtipp

Über den Autor

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Max Fleschhut

Max Fleschhut schreibt in mehreren Büchern, Zeitschriften, auf Websites sowie seinem Blog „Maremma Geheimtipp“ über sein Lieblingsurlaubsland Italien. Mehr unter maxfleschhut.com

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