Ein Strauß Mimosen
Blog zum Podcast,  Kultur

„Festa della Donna“ – der 8. März in Italien

Am 8. März ist Weltfrauentag! In Italien wird dieser bedeutende Tag als „Festa della Donna“ (Deutsch: Fest der Frau) groß gefeiert. Mehr über die Traditionen und Feierlichkeiten, die in Italien mit dem 8. März einhergehen, erfährst du in der folgenden Podcastfolge:

#45 Festa della Donna – wie der 8. März in Italien gefeiert wird

Eine entscheidende Rolle für die Geschichte der Frauen Italiens spielte der italienische Frauenbund, auf Italienisch „L‘Unione donne italiane“ (UDI). Noch heute setzt sich die 1944 in Rom gegründete Frauenvereinigung für die Verteidigung und Förderung der Frauenrechte ein. Über die Errungenschaften der Frauen hat die italienische Medizinerin und Neurobiologin Rita Levi-Montalcini einmal gesagt:

„Le donne che hanno cambiato il mondo non hanno mai avuto bisogno di mostrare nulla se non la loro intelligenza.“

„Die Frauen, die die Welt bewegt haben, mussten nie etwas anderes unter Beweis stellen als ihre Intelligenz.“

Rita Levi-Montalcini

Mehr über diese und andere wichtige Italienerinnen erfährst du hier.

Geschichte des Internationalen Frauentags: warum wird der 8. März gefeiert?

Die Ursprünge des 8. März sind sehr politisch und reichen bis in das frühe 20. Jahrhundert zurück. Es geht dabei um die Gleichberechtigung der Frau, ein gleiches Wahlrecht, bessere Arbeitsbedingungen und die grundlegenden Bürgerrechte.

Dabei stammt die Idee für einen Internationalen Frauentag von der deutschen Frauenrechtlerin Clara Zetkin. 1910 schlug sie auf der Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen vor, künftig jedes Jahr einen solchen Tag zu feiern. So kam es, dass am 19. März 1911 der erste Internationale Frauentag stattfand! Als erste europäische Nationen feierten Deutschland, Österreich-Ungarn, Dänemark und die Schweiz diesen besonderen Tag. 1921 wurde dann in Moskau beschlossen, den Frauen künftig den 8. März als internationalen Gedenktag zu widmen. Aus diesem Grund findet der Internationale Frauentag seit jeher am 8. März statt. Er nahm schnell globale Dimensionen an, sodass das Jahr 1975 schließlich am 8. März 1975 von den Vereinten Nationen zum Internationalen Jahr der Frauen erklärt wurde. 2021 jährt sich der Weltfrauentag nun zum 112. Mal.

Der 8. März ist immer auch ein Tag der Aufmerksamkeit, der vor Augen führt, was Frauen im Kampf um Gleichberechtigung schon alles erreicht haben. Zugleich erinnert der 8. März an Kämpfe, die noch ausständig sind. Denn noch immer gibt es in einigen Bereichen oder Ländern keine Gleichstellung der Geschlechter! In einigen Ländern gilt der Internationale Frauentag heutzutage sogar als gesetzlicher Nationalfeiertag. Außerdem wird der Internationale Frauentag in einigen Ländern auch als Muttertag gefeiert.

„Festa della Donna“ in Italien

In Italien wird der erste Internationale Frauentag am 12. März 1922 gefeiert. Im September 1944 beschloss „L’Unione Donne Italiane“ den Frauentag am 8. März 1945 in den befreiten Gebieten Italiens zu feiern. Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges wird der 8. März 1946 dann auch in ganz Italien gefeiert. 1946 war überhaupt ein wichtiges Jahr, denn italienische Frauen durften erstmals bei einem Referendum ihre Stimme abgeben!

In Italien müssen wir allerdings auf die 1970er Jahre warten, um die Geburt einer echten feministischen Bewegung zu sehen. Am 8. März 1972 fand auf der Piazza „Campo de‘ Fiori“ in Rom eine Veranstaltung zum Frauentag statt, bei der Frauen unter anderem auch die Legalisierung der Abtreibung forderten. Bis heute feiern die Frauen in Italien ihren Ehrentag zunächst unter sich. Darüber hinaus gibt es am 8. März immer wieder Demonstrationen, um auf Gewalt gegen Frauen und Verletzung von Frauenrechten hinzuweisen.

Das perfekte Geschenk zur „Festa della Donna“: Ein Strauß Mimosen

Am 8. März wird die Welt italienischer Frauen gelb! Denn fast alle Italienerinnen bekommen an diesem Tag ein leuchtend gelbes Sträußchen geschenkt. Bei dem Strauß Blumen handelt es sich dabei um einen Strauß Mimosen, auf Italienisch „le mimose“ bzw. „la mimosa“. Selbstverständlich fühlt sich keine italienische Frau angegriffen, wenn sie am 8. März einen knallgelben Strauß Mimosen erhält. Ganz im Gegenteil! Schließlich steht diese Tradition in keiner Verbindung zur bekannten deutschen Redewendung „ich bin doch keine Mimose“.

Die Tradition einen gelben Strauß zu verschenken, geht dabei auf das Jahr 1946 zurück, als der italienische Frauenbund den 8. März mit einem ganz besonderen Symbol krönen wollte. Noch heute ist es in Italien Brauch, dass die Männer den wichtigen Frauen in ihrem Leben kleine Geschenke oder Mimosen zukommen lassen. Warum allerdings ausgerechnet diese Blume zur symbolischen Blume des 8. März wurde, ist nicht genau belegt. Die Idee, die Mimose als Symbol zu verwenden, soll ursprünglich von den Parteimitgliedern der UDI Teresa Noce, Rita Montagnana und Teresa Mattei kommen.

Die Pflanze Mimose
Knallgelbe Blüten einer Mimose

Eins lässt sich jedoch mit Sicherheit sagen: die Mimose bringt ideale Voraussetzungen mit! Nicht nur ist die Mimose eine recht billige Blume, nein, die Mimosen-Bäume blühen in Italien in der Regel auch schon in den ersten Märztagen. Damit gehören sie zu den ersten Blumen, die nach Jahresbeginn in Italien zu blühen beginnen. Das satte Gelb der kleinen Blüten ist quasi der gelbe Sonnenstern im Winter, der bereits den nahenden Frühling ankündigt. Mit der knallgelben Farbe ist die Mimose zudem das Sinnbild für pures Leben und symbolisiert Vitalität, Kraft und Freude. Der Pflanze hat der Weltfrauentag allerdings nicht gut getan, denn jedes Jahr Anfang März werden die wild wachsenden Mimosen-Bäume rigoros abgeerntet.

Was ist die Mimose für eine Pflanze?

Die Silber-Akazie, in Europa auch Mimose genannt, oder Acacia dealbata wurde im 19. Jahrhundert von Südostaustralien nach Europa importiert. Aufgrund des milden Klimas gedeiht sie im Mittelmeerraum besonders gut. Kaltes Wetter und Frost mag die „Falsche Mimose“, wie sie auch oft heißt, dagegen gar nicht. Denn schon mit ein wenig Wärme erblüht die Blume. Die Mimose wird häufig auch als „Sinnpflanze“ bezeichnet, da sie besonders stark auf äußere Reize reagiert. So ziehen sich ihre Blätter beispielsweise bereits bei der kleinsten Berührung zusammen.

Das perfekte Dessert zur „Festa della Donna“: Torta Mimosa

Wichtiger Bestandteil der „Festa della Donna“ ist auch die gelbe Mimose, die als Dessert den krönenden Abschluss eines jeden Essens bildet! Denn die „Torta Mimosa“ ist eine in Italien überaus beliebte Torte. Dabei stammt die Torte aus der Feder des Kochs und Konditors aus Rieti: Adelmo Renzi. 1962 verhalf sie Renzi sogar zum Sieg bei einem Konditoren-Wettbewerb in Sanremo! Aus diesem Grund verwundert es nicht, dass Renzi seine perfekte Kreation auch dem ligurischen Städtchen Sanremo widmete. Die „Torta Mimosa“ fehlt heute auf keinem „Menù per la Festa della Donna“.

Bei der „Torta Mimosa“ handelt es sich eigentlich um eine recht einfache Torte. So besteht sie lediglich aus zwei Schichten Biskuitkuchen, Vanillecreme und Schlagsahne; den Abschluss bildet eine gelbe Schicht Brösel. Mit den Krümeln und ihrer satten gelben Farbe erinnert die Torte stark an die Blüten der Mimose.

Neben der klassischen „Torta Mimosa“ gibt es mittlerweile viele verschiedene Variationen. Es gilt jedoch zu beachten, dass in Italien nicht jede Konditorei und schon gar nicht jede Konditorei diesen Kuchen das ganze Jahr über herstellt! Mitunter muss man sich manchmal regelrecht auf die Suche nach der „Torta Mimosa“ begeben. Die Originalversion von Renzi ist bis heute bei LiebhaberInnen dieser Torte sehr beliebt. Noch immer suchen Menschen die Renzi-Konditorei in Rieti auf, um die klassische „Torta Mimosa“ zu probieren. Mittlerweile bäckt Renzis Tochter die Torten – das Rezept des Vaters ist dabei ein streng gehütetes Geheimnis!

Spezielle Veranstaltungen zur „Festa della Donna“

Am 8. März finden in allen Städten Italiens spezielle Events statt, um „La Festa della Donna“ gebührend zu feiern. So konnten Skifahrerinnen im Skigebiet La Thuile im Valle d’Aosta in den letzten Jahren beispielsweise ihren Skipass um die Hälfte reduziert erwerben.

Auf den Spuren großer Frauen in Turin

Zu Ehren der großen Frauen Turins widmen wir uns besonderen Events aus der piemontesischen Hauptstadt. Im Angebot stehen hier nicht nur abendliche Touren, die an Plätze, Orte oder Straßen führen, die in Zusammenhang mit diesen und anderen berühmten Frauen Turins stehen, sondern auch Museen, die am 8. März allen weiblichen Besucherinnen einen kostenlosen oder ermäßigten Eintritt anbieten.

Das bekannte Ägyptische Museum von Turin, auf Italienisch Il Museo Egizio di Torino, hat zuletzt zum Internationalen Frauentag eine Führung durch das Museum angeboten, bei der die Rolle der Frauen und die Geschichten und Geheimnisse der weiblichen Figuren des alten Ägyptens unter die Lupe genommen wurden. Das Planetarium in Turin wiederum hat sich mit dem wichtigen Beitrag der Frauen in der Wissenschaft auseinandergesetzt. Die letzte Empfehlung richtet sich speziell an alle Feinkostliebhaber und -innen. denn anlässlich des Internationalen Frauentages hat Eataly zuletzt die sogenannte „Eataly Food Tour“ veranstaltet, die eine eindrucksvolle Reise durch Turin mit Verkostungen von piemontesischen Speisen und Weinen beinhaltete.

Welche Erfahrungen hast du in Verbindung mit dem 8. März gemacht? Berichte uns gerne in den Kommentaren von deinen Erlebnissen!

Eine Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

code