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La Befana – die italienische Weihnachtshexe

Die italienische Weihnachtshexe – genannt la Befana – kennt in Italien wirklich jedes Kind! Nicht ohne Grund gibt es mittlerweile mehr als 10 verschiedene Kinderreime über diese berühmte Figur des italienischen Volksglaubens! Einer der bekanntesten lautet:

„La Befana vien di notte, con le scarpe tutte rotte, il vestito alla romana, viva viva la Befana“.

(deutsche Übersetzung: „Die Befana kommt bei Nacht, mit kaputten Schuhen, einem Kleid auf römisch Art, hoch lebe die Befana“)

Dem spannenden Thema der Weihnachtshexe Befana haben wir eine ganz eigene Podcastfolge gewidmet. Diese kannst du hier anhören:

#37 La Befana – die italienische Weihnachtshexe

Traditionell findet die eigentliche Bescherung mit Weihnachtsgeschenken in Italien erst am 6. Januar statt – mit der Befana! Kein Wunder, dass italienische Kinder diesem Tag also das ganze Jahr voller Spannung entgegenfiebern. Obwohl die Tradition der Befana auch heute noch weiterlebt, kommen inzwischen fast alle italienischen Kinder bereits an Weihnachten in den Genuss von Geschenken.

Was macht die Befana?

Die Weihnachtshexe Befana treibt in der Nacht vom 5. auf den 6. Januar ihr Unwesen, wenn sie auf ihrem Besen von Haus zu Haus mit einem Sack voll Süßigkeiten, Geschenken, Asche und Kohle fliegt. „Braven“ Kindern bringt sie Süßigkeiten und Geschenke, während „unartige“ Kinder mit Asche und Kohle bestraft werden. Selbstverständlich handelt es sich dabei aber nie um echte Kohle, sondern um „carbone dolce“. Die sogenannte süße Kohle ist eine schwarz gefärbte Zuckermasse, die wie echte Kohle aussieht.

Ein prall gefüllter Weihnachtsstrumpf mit carbone dolce

Es heißt, dass die Befana in der Nacht durch die Schornsteine der Häuser – ähnlich unserem Weihnachtsmann – kommt. Daher hängen italienische Kinder am Vorabend ihre Strümpfe an den Kamin oder stellen ihre Schuhe vor die Tür, damit die Befana diese über Nacht befüllen kann. Übrigens halten einige Kinder die Befana auch für die Frau vom Weihnachtsmann.

Wie kann man sich die Befana vorstellen?

Die Befana wird allgemein als alte und hässliche Hexe mit Warzen und einem Buckel dargestellt. Interessant ist, dass sie trotz ihres einschüchternden Äußeren nicht als böse Hexe wahrgenommen wird, sondern als gute und weiße Hexe gilt.

In der italienischen Umgangssprache gibt es den nicht ganz schmeichelhaften Ausdruck: „È una befana“ (wortwörtlich „sie ist eine Befana“). Diese Redewendung bezeichnet in Italien eine besonders „hässliche Frau“ oder einen „hässlichen Vogel“.

Was wird überhaupt am 6. Januar gefeiert?

Am 6. Januar wird die Epiphanie – daher auch der Name Befana abgeleitet vom italienischen Epifania – also das Fest der Erscheinung des Herrn gefeiert. Unter der Erscheinung des Herrn wird die menschliche Gegenwart Gottes in der Person Jesus Christus verstanden. Ursprünglich wurde seine Geburt auch am 6. Januar gefeiert. Volkstümlich und in vielen Kalendern wird der Festtag als Dreikönigstag, Heilige Drei Könige oder Heiligedreikönigstag bezeichnet. Die abendländische Kirche feiert mit dem Fest am 6. Januar die Anbetung der Weisen aus dem Morgenland, den sogenannten Heiligen Drei Königen Kaspar, Melchior und Balthasar.

Der Sage nach soll die Befana von den drei Hirten die frohe Botschaft über die Geburt des Christkinds gehört haben. Genau wie die Heiligen Drei Könige sollte der Stern von Bethlehem die Befana zur Krippe und zum Christkind führen. Als sich die Befana jedoch endlich auf die Suche nach dem Christkind machte, da war der Stern bereits verloschen und sie konnte das Christkind nicht mehr finden. In der Hoffnung eines der anderen Kinder sei das Christkind, flog die Befana daraufhin auf ihrem Besen von Haus zu Haus und brachte den Kindern Geschenke.

Eine weitere Legende besagt, dass eine Frau aus Palästina – nach der Geburt des Christkinds – Geschenke für ihr eigenes Kind besorgte. Als die Frau nach ihren Besorgungen wieder nach Hause kam, fand sie ihr Kind jedoch tot vor – ermordet von den Soldaten des Königs Herodes. Daraufhin soll die Frau den Verstand verloren haben. Seitdem – so sagt man – ist sie auf der Suche nach Kindern, denen sie ihre Geschenke geben kann.

Gibt es im deutschsprachigen Raum vergleichbare Figuren zur Befana?

Die Befana gilt heute als Parallelgestalt der alpenländischen Perchta und der mittelalterlichen Frau Holle. Damit gehört sie zu den mythologischen Frauengestalten, denen eine gewisse Verehrung zukommt. Frau Perchta oder Frau Percht ist eine Sagengestalt der vorchristlichen Mythologie der germanischen Stämme und der slawischen Mythologie. Ihr entspricht in Mitteldeutschland die Sagengestalt Frau Holle. Auch bei Frau Holle, einem bekannten Märchen der Gebrüder Grimm, geht es um ein artiges und ein unartiges Kind. Kurz gesagt: das fleißige, artige Mädchen wird mit Gold belohnt (Goldmarie), während das faule, unartige Mädchen mit Pech bestraft wird (Pechmarie). Eine gewisse Parallele zur Befana ist hier nicht zu leugnen!

Welche Feste und Feierlichkeiten gibt es der Befana zu Ehren in Italien?

Für Familien mit Kindern bietet Urbania, eine Kleinstadt in den Marken, einen Sprung ins Land der Phantasie! Dort findet alljährlich zwischen dem 2. und 6. Januar la Festa della Befana di Urbania statt. Nicht nur gilt die Befana dort für ganze fünf Tage als erste richtige Bewohnerin der Stadt, nein, Urbania wirbt auch mit dem Slogan, dass sich einzig hier das wahre und echte Haus der Befana befindet. Seit 2016 ist die „Casa della Befana“, also das Haus der Befana, ganzjährig im Stadtpalast zugänglich.

„La Festa della Befana di Urbania” ist ein rießiges Spektakel, das die ganze Stadt in ein wahres Spielzeugland verwandelt. Über 4000 Socken werden im Zentrum aufgehängt, dekorierte und beleuchtete Arkadengänge und zahlreiche „Befane“ bereichern die Straßen. Diverse Umzüge, Spiele, Workshops, Ausstellungen, ein Wochenmarkt und allerlei verschiedene Aufführungen sowie Tanz und Musik runden die Veranstaltung ab. Zu den Programmhighlights zählen in Urbania unter anderem der Weltrekord-Strumpf, der Schal der Liebe, das „Beffana Postal Office“ und die „fliegende“ Befana. Dieser zur Tradition gewordene Brauch, bei dem eine Befana vom Glockenturm des Doms abgeseilt wird, lässt sich mittlerweile in vielen Orten Italiens finden.

Die Stadt Tarquinia verwandelt sich am 6. Januar in eine Stadt für Kinder! Denn hier findet an besagtem Tag der kleine Marathonlauf Corri per la Befana, also der „Lauf für die Befana“, für Kinder bis zum Alter von 12 Jahren statt. Sport und Spaß werden bei diesem Event miteinander verbunden, während auf die Ankunft der Befana gewartet wird. Belohnt wird jedes Kind, das mitläuft, mit einem Spielzeug. Bereits seit mehr als 25 Jahren ist dieser Lauf fester Bestandteil der Feierlichkeiten in Tarquinia. Natürlich fliegt auch hier um Punkt 12 Uhr die Befana auf dem Hauptplatz vom Uhrturm des Rathauses.

Mit einer skurrileren Veranstaltung weist dagegen die kleine Gemeinde Fornovo di Taro in der Provinz Parma in Norditalien auf! Denn dort wird jedes Jahr am 5. und 6. Januar der „Raduno Nazionale delle Befane e dei Befani“ abgehalten. Bei dieser nationalen Tagung der weiblichen Befane und männlichen Befani erwarten Besucher und -innen zwei Tage voller Spiele, Wettbewerbe und Animation. Im Zuge dieser Tagung wird auch die schönste „Miss Befana“ gekürt. Teilnehmen können selbstverständlich alle 😉

Letzte Tipps für Befana-Fans?

Der vierte Satz der „Feste Romane“ (auf Deutsch: Römische Feste) des italienischen Komponisten Ottorino Respighi trägt den Titel „La Befana“. Auf Deutsch ist dieser Satz als Dreikönigsnacht bekannt. Für Fans der Opernmusik ein Muss!

Filmliebhaber und -Innen sollten sich den 2019 in deutschen Kinos erschienenen Film „La Befana vien di notte“ von Michele Soavi nicht entgehen lassen. „Unsere Lehrerin, die Weihnachtshexe“ – wie diese italienische Weihnachtskomödie auf Deutsch heißt – basiert auf der Mythenfigur Befana. Ein netter italienischer Kinderfilm für die ganze Familie!

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